Mal eben konvertieren – wirklich?

Mein Freund traute sich nicht, also fragte ich den Rabbi: Was man denn tun müsse, um zum Judentum zu konvertieren? Hmm, schwierige Frage. Und keine wirklich eindeutige Antwort. Mein Freund kommt aus Aserbaidschan, er hat teilweise jüdische Vorfahren, praktiziert aber keinen Glauben. Er studiert Israel Studies hier an der Universität Haifa, er möchte in Israel leben, deswegen überlegt er sich, zum Judentum zu konvertieren. Denn der Staat Israel steht für alle Jüdinnen und Juden zur Einwanderung offen, so steht es schon in der Unabhängigkeitserklärung aus dem Jahre 1948: “Der Staat Israel wird der jüdischen Einwanderung und der Sammlung der Juden im Exil offenstehen.”

Nun muss man natürlich nachweisen können, dass man wirklich Jude ist. Gemäß rabbinischer Tradition ist derjenige Jude, der von einer jüdischen Mutter geboren wurde. Hat man eine jüdische Mutter und kann dies mithilfe offizieller Dokumente nachweisen, steht einer Einwanderung nach Israel also nichts mehr im Weg. Das Rückkehrgesetz von 1950 sowie spätere Erweiterungen wie beispielsweise aus dem Jahr 1970 erlauben es nun auch Enkeln von Juden und deren Ehepartnern, einzuwandern. Was aber, wenn man keine jüdischen Vorfahren nachweisen kann, sich aber trotzdem als Jude sieht und in Israel leben will?

Nun, man sollte meinen, jede Religion nähme jeden weiteren Glaubensbruder mit Kusshand auf. Nicht so das Judentum. Dies zeigte sich auch an der Reaktion des Rabbis. Er fragte meinen Freund, warum er denn konvertieren wolle, letztendlich wusste er gar nicht genau, wie man das macht. Das Judentum will “Heiden” nicht missionieren, für Nichtjuden gelten lediglich die sieben sogenannten Noachidischen Gebote (zum Beispiel Verbot des Diebstahls und des Götzendiensts). Hält ein Heide – ich beispielsweise, der ich mich Christ nenne – diese sieben Gebote ein, gilt er als gerecht. Eine Konversion ist für das letztendliche Seelenheil also nicht zwingend! Wer ein Jude werden will, muss immerhin die 613 Gebote (Mitzwot) der Tora einhalten, da lohnt sich schon eine gründliche Untersuchung des Konversionskandidaten.

Nun gut, wer aber dennoch überzeugt ist, zum Judentum konvertieren zu wollen, der muss sich dann an einen entsprechenden Rabbiner wenden (ultraorthodox, modernorthodox, reformiert etc.). Größere Chancen hat man in der Tat bei liberalen Rabbinern, das ultraorthodoxe Judentum sieht die Konversionsfrage sehr viel strikter. Je nachdem, unter welchem Rabbiner man konvertiert, kann die Konversion eine kürzere oder längere Vorbereitungszeit bedingen. Der Prozess der Konversion heißt Gijur.

Ob mein Freund immer noch gewillt ist, diesen Prozess zu durchlaufen, weiß ich nicht. Aber er möchte eben “richtig” dazugehören in dem Land, in dem er lebt und studiert.

 

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