Stürmische Zeiten in der Welt

Komisch, dass ich manches Mal in meinem Leben gedacht habe, alles würde immer so sein, wie es war. Erst seitdem ich mich intensiver mit Geschichte und politischem Geschehen beschäftige, verstehe ich, dass sich alles ändert – manches langsamer, manches schneller und manches von einen auf den anderen Tag. Politische Einheiten kommen und gehen, immer mal wieder erlebt die Weltwirtschaft einen Kollaps und in regelmäßigen Abständen bringen sich irgendwo auf diesem Planeten Menschen gegenseitig um. Auch das Jahr 2016 bringt neue Entwicklungen, die schneller als geglaubt historische Umwälzungen zur Folge haben können.

Das neue Jahr hat nicht gerade romantisch begonnen: Terroralarm daheim in Deutschland, Schießerei hier in Tel Aviv, nun die Krise zwischen Saudi-Arabien und Iran, der Nahe Osten gerät nicht so schnell aus den Schlagzeilen. Warum nur? Es erinnert mich ein bisschen an den Film Blood Diamond, der die Ausbeutung der Bodenschätze Afrikas thematisiert. Der Film spielt in Sierra Leone und prangert die Raffgier des Westens an; Kindersoldaten, brutale Guerilla-Gruppen und viel Blutvergießen machen das Leben zur Hölle. Der lapidare Kommentar dazu lautet: DIA – Das ist Afrika. 

Ähnlich höre ich es bisweilen hier in Israel: Das ist der Nahe Osten. Die Dinge funktionieren hier nicht wie in Europa oder anderswo im Westen. Die Menschen ticken anders, Ehre, Kultur, Ideologie und Religion spielen eine größere Rolle als im Westen. Und nun bald 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs brechen politische Ordnungen ein, Staaten scheitern, Grenzen verschwimmen und Anarchie macht sich an vielen Orten breit. Andere Staaten der Region machen ihre Grenzen dicht, um keinen der vielen Flüchtlinge aufnehmen zu müssen. Angesichts der jüngsten Ereignisse in Saudi-Arabien, das gerade wieder 47 Köpfe rollen ließ, kann man sich aber auch kaum vorstellen, dass Flüchtlinge freiwillig in dieses Land gehen würden.

Hier in Israel macht sich seit einigen Monaten eine neue Form der Gewalt breit: Spontane Attacken mit Messern, Äxten, Scheren, Autos und was sonst noch so Schaden anrichten kann. Fast täglich erhalte ich auf meinem Smartphone neue Eilmeldungen: Messerattacke in Jerusalem, Auto rast in israelische Soldaten nahe Hebron, Terroropfer erliegt seinen Wunden… Nicht einmal die hochalarmierte israelische Polizei und die Geheimdienste können diese Attacken gänzlich verhindern. Unterdessen schicken im Süden und Norden Hamas und Hisbollah (und kleinere palästinensische Splittergruppen im Libanon) immer mal wieder ein paar Raketen ins Nachbarland. Das ist der Nahe Osten.

Was bringt 2016? Vor 100 Jahren wütete der Erste Weltkrieg in Europa. Wird der Dritte Weltkrieg im Nahen Osten ausbrechen? Welcher Staat wird als nächstes scheitern?  Welche terroristische Gruppe wird sich neu formieren? Was bedeutet die neue Eiszeit zwischen Iran und Saudi-Arabien für die Region? Fest steht: Es wird sich einiges verändern. Und trotzdem werden die Menschen an den meisten Orten ganz normal weiterleben. Auch das ist der Nahe Osten.

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